Wie kam es zu diesem Buch?
Blick hinter die Kulissen
Die Geschichte des Romans beginnt mit einem Eintrag im Häuserbuch.
Ein Häuserbuch listet die Bewohner:innen einer Straße pro Grundstück, innerhalb einer bestimmten Zeitspanne auf. Und ja – es it so spannend wie es klingt.
Früher hätte man ein Telefonbuch als Vergleich herangezogen. (wenn auch nicht zu Clamors Zeiten – sondern eher zu der, als ich selbst begann, älter zu werden).
Ich weiß nicht, ob sich heute noch jemand solche Listen anschaut (als gesicherte Ausnahme gelten opferbereiten Wissenschaftler:innen mit Hang zur Selbstgeißelung oder die mit dem Drang, Erbsen zu aufzusummieren.
Ich blätterte also zunächst aus Neugierde, dann aus Sturheit.
Dann verhedderte sich mein Blick.
„Starb Brotbäcker Heincke (aus Cörne) a.d. Kuckelke. Er hinterließ ein Vermögen von rd. 11000 Thl., am Anfang seiner Wirtschaft besaß er wenig oder nichts.
Irritiert schlug ich andere Seiten auf, aber kaum vergleichbare Einträge: Hier ein Vermerk über ein Feuer, dort eine Notiz über Schulden. Literarisch verwertbar (Spoileralarm 1), aber nicht vergleichbar.
War Heincke zunächst arm gewesen?
Wie kam er zu dem Geld?
War das viel Geld? Und im Verhältnis zu was?
Heincke ließ mich nicht mehr los.
Ich wollte sein Geheimnis lüften.
(Spoileralarm 2: Das ist nie geschehen.)
Stattdessen verwandelte er sich Bäckermeister Boemke – und wurde der Ausgangspunkt meiner Überlegungen.
Drei Dinge standen fest:
Er war am 16.02.1788 gestorben.
Ich wollte in die Welt, die er verlassen hatte, so historisch korrekt wie möglich eintauchen.
Ich brauchte eine Figur, die ebenso unwissend in dieser Welt ankam wie ich. Durch deren Sinne ich mich dort frei bewegen konnte.
So gebar ich ihn:
Einen Mann (die realistischen Handlungsspielräume für Frauen waren mir zu eingeschränkt).
Mit Verstand und Neugier (jeder braucht einen Anreiz für Aktivität.)
Einen Schulmeister am Gymnasium: Geachtet genug, dass man mit ihm spricht, unbedeutend genug, dass er nicht zu sehr an eine repräsentative Position gebunden ist. (Ein kleiner Denkfehler, den Dr. Gierig aufdecken würde)
Neu in der Stadt damit er Fragen stellen darf – Fragen, die ich für die Lesenden beantworten wollte, ohne als Erzählerin auftreten zu müssen.
Ich fuhr erneut mit dem Finger durch die Spalten des Häuserbuchs.
(Das sich später als Fundgrube entpuppen sollte.)
Clamor Heinrich Aldenhagen.
Ich treffe ihn am Stadttor zu Dortmund. Komm ruhig mit, wenn Du magst.

